Dachlattung richtig ausführen: Konter- & Traglattung

Dachlattung mit Konterlatten und Traglatten auf den Sparren

Wer ein Dach eindecken oder eine alte Eindeckung erneuern möchte, steht schnell vor einer Frage, die über Dichtigkeit und Haltbarkeit des gesamten Daches entscheidet: Wie wird die Lattung eigentlich richtig aufgebaut? Zwischen Sparren und fertiger Dachziegeldeckung liegen mehrere Schichten, die in einer bestimmten Reihenfolge montiert werden müssen. Verdrehen Sie die Abfolge oder sparen Sie an der falschen Stelle, staut sich Feuchtigkeit unter der Deckung, das Holz beginnt zu arbeiten und im schlimmsten Fall löst sich die Lattung über die Jahre.

Die Dachlattung besteht im Kern aus zwei Lattenlagen: der Konterlattung und der Traglattung. Beide erfüllen völlig unterschiedliche Aufgaben, und genau deshalb lohnt es sich, Aufbau, Reihenfolge und Abstände sauber zu verstehen, bevor die erste Latte an den Sparren kommt. In diesem Ratgeber gehen wir Schritt für Schritt durch den Aufbau, erklären die Funktion jeder Lage, zeigen worauf es bei der Befestigung ankommt und warum sich der entscheidende Lattenabstand nicht pauschal in Zentimetern angeben lässt.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau einer Dachlattung

Die Dachlattung ist kein einzelnes Bauteil, sondern ein schichtweiser Aufbau, der von innen nach außen Feuchtigkeit ableitet und gleichzeitig eine tragfähige Ebene für die Deckung schafft. Von unten nach oben betrachtet folgt die Konstruktion einer klaren Reihenfolge: Zuunterst liegen die Sparren, das tragende Gerüst des Daches. Über die Sparren wird die Unterspannbahn (oder je nach Konstruktion eine Unterdeckbahn) gespannt, die Wasser und Flugschnee abführt, die durch die Deckung dringen können.

Direkt auf die Sparren und über der Unterspannbahn kommt die Konterlatte. Sie verläuft in Sparrenrichtung, also in Falllinie von der Traufe zum First. Quer dazu, waagerecht zum Dach, wird anschließend die Traglatte befestigt. Erst auf dieser Traglattung sitzt am Ende die eigentliche Deckung, also Ziegel, Betondachsteine oder ein anderes Deckmaterial. Dieser Aufbau der Lattung auf dem Dach ist der Standard beim belüfteten Steildach und sorgt dafür, dass zwischen Unterspannbahn und Deckung eine durchgehende Luftschicht entsteht.

Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst die Konterlatte in Falllinie, dann die Traglatte quer darüber. Nur so entsteht die für die Hinterlüftung notwendige Höhe. Wer die beiden Lagen vertauscht oder die Konterlatte weglässt, erzeugt eine dichte Ebene ohne Luftzirkulation, und genau das ist die häufigste Ursache für Feuchteschäden im Dachaufbau.

Konterlattung: Funktion und Montage

Die Konterlattung hat eine einzige, aber zentrale Aufgabe: Sie schafft den Luftraum zwischen Unterspannbahn und Traglattung. Dadurch kann Luft von der Traufe bis zum First strömen, Feuchtigkeit aus dem Dachaufbau wird abgeführt und Kondenswasser trocknet wieder ab. Diese Hinterlüftung ist der Grund, warum ein korrekt gelattetes Dach über Jahrzehnte trocken und schadenfrei bleibt.

Die Konterlatte wird genau über den Sparren montiert, verläuft also parallel zu ihnen in Falllinie. Sie drückt dabei zugleich die Unterspannbahn an die Sparren und fixiert sie. Weil Wasser, das auf die Unterspannbahn gelangt, an der Konterlatte entlanglaufen und zur Traufe abfließen muss, darf die Luftschicht nicht unterbrochen werden. Die Höhe der Konterlatte bestimmt die Dicke dieser Luftschicht. Übliche Dachlattenmaße wie 24 x 48 mm, 30 x 50 mm oder 40 x 60 mm kommen hier je nach Anforderung zum Einsatz, wobei die genaue Höhe von der Dachlänge und den Vorgaben des Deckungsherstellers abhängt. Grundsätzliche Hinweise zu den Querschnitten und Sortierklassen finden Sie in unserem Beitrag Dachlatten: Maße und Qualität.

Traglattung: Träger der Deckung

Während die Konterlattung für Luft sorgt, trägt die Traglattung die gesamte Last der Deckung. Sie wird quer, also waagerecht über die Konterlatten genagelt oder geschraubt und bildet die Ebene, in die später die Ziegel oder Dachsteine eingehängt werden. Jede einzelne Traglatte nimmt dabei eine Reihe der Deckung auf, und die Nasen der Ziegel greifen über die Oberkante der Latte.

Weil die Traglattung dauerhaft Wind-, Schnee- und Eigenlast abtragen muss, kommt es hier besonders auf einwandfreies, sortiertes Holz an. Dachlatten werden nach Sortierklassen gehandelt; für tragende Zwecke ist Ware der Klasse S10 üblich. Ein typisches Maß für die Traglattung ist der Querschnitt 40 x 60 mm, etwa in Form von Dachlatten S10 aus nordischer Fichte/Tanne, trocken und sortiert. Astige, krumme oder zu feuchte Latten gehören nicht in die Traglattung, weil sie unter Last brechen oder sich beim Trocknen verziehen können.

Lattenabstand richtig ermitteln

Der Abstand der Traglatten zueinander, also der sogenannte Lattweite oder Lattabstand, ist der sensibelste Punkt der gesamten Dachlattung, und er lässt sich nicht pauschal angeben. Wer im Netz einen festen Zentimeterwert liest, sollte vorsichtig sein: Der richtige Abstand hängt immer vom konkreten Deckmaterial ab. Jeder Ziegel und jeder Dachstein hat eine zulässige Spanne zwischen minimalem und maximalem Lattabstand, die der Hersteller für sein Modell vorgibt.

Dieser Spielraum ergibt sich aus der Verschiebbarkeit der Deckung, also wie weit sich die Ziegel in der Höhe gegeneinander verschieben lassen. Aus der Dachlänge von der Traufe bis zum First und dieser zulässigen Spanne wird dann die tatsächliche Lattweite berechnet, sodass die Reihen gleichmäßig aufgehen. Deshalb gilt: Bestimmen Sie zuerst das genaue Deckmodell, ziehen Sie das Verlegedatenblatt des Herstellers heran und rechnen Sie die Lattung für Ihre konkrete Dachlänge aus. Ein pauschaler Wert würde bei den meisten Deckungen entweder zu Undichtigkeiten oder zu unschönen Rest-Reihen führen.

Unabhängig vom Deckmaterial gibt es feste Bezugspunkte: Die erste Latte an der Traufe und die oberste Latte am First nehmen eine Sonderstellung ein, weil hier Traufziegel beziehungsweise Firstziegel anschließen. Auch diese Maße entnehmen Sie dem Datenblatt der Deckung. Planen Sie die Lattung immer vom First und von der Traufe her, nicht einfach von unten durchgehend in einem festen Raster.

Befestigung und Werkzeug

Für das Befestigen der Dachlatten kommen Nägel oder Schrauben infrage. Traditionell werden Dachlatten genagelt, üblich sind dafür verzinkte oder gerillte Latten- beziehungsweise Drahtstiftnägel, deren Länge auf Lattenhöhe und Untergrund abgestimmt ist. Als Faustregel sollte der Nagel oder die Schraube das Holz vollständig durchdringen und tief genug im darunterliegenden Holz verankert sein. Schrauben bieten höhere Auszugswerte und lassen sich kontrollierter setzen, erfordern aber mehr Zeit; Nägel, idealerweise mit einem Koilnagler, sind schneller und im Dachdeckerhandwerk weit verbreitet.

Achten Sie beim Befestigen auf ausreichende Randabstände: Setzen Sie Nägel und Schrauben nicht zu dicht an das Hirnholz oder an die Lattenkante, damit das Holz nicht aufspaltet. Jede Latte wird an jeder Kreuzung mit der darunterliegenden Lage befestigt, Traglatten also an jeder Konterlatte und Konterlatten an jedem Sparren. An den Stößen, wo zwei Latten aneinanderstoßen, liegt die Verbindung immer über einem Sparren oder einer Konterlatte, nie frei in der Luft.

An Werkzeug brauchen Sie neben Nagler oder Akkuschrauber vor allem eine Handkreissäge oder Kappsäge zum Ablängen, eine lange Wasserwaage, eine Schlagschnur zum Anreißen der Lattreihen und ein Maßband. Für sauberes Arbeiten in der Höhe sind außerdem gesicherte Standflächen und eine persönliche Absturzsicherung Pflicht. Wenn Sie den Dachraum im gleichen Zug ausbauen möchten, finden Sie die weiteren Schritte in unserer Anleitung Dachausbau mit OSB.

Typische Fehler bei der Dachlattung

Die meisten Schäden an der Lattung entstehen nicht durch mangelndes Material, sondern durch Planungs- und Ausführungsfehler. Diese Punkte tauchen in der Praxis immer wieder auf:

  • Konterlatte vergessen oder vertauscht: Ohne Konterlattung fehlt die Luftschicht, Feuchtigkeit staut sich unter der Deckung. Die Konterlatte gehört zwingend unter die Traglatte, nicht umgekehrt.
  • Pauschaler Lattabstand: Wer ohne Datenblatt des Ziegelherstellers lattet, riskiert undichte Überdeckungen oder ungleichmäßige Reihen. Der Abstand muss berechnet, nicht geschätzt werden.
  • Zu feuchtes oder ungeeignetes Holz: Nicht ausreichend getrocknete oder minderwertige Latten verziehen sich und reißen. Für tragende Lagen gehört sortierte Ware, Standard ist S10.
  • Unterspannbahn beschädigt: Wird die Bahn beim Vernageln der Konterlatte zu stark perforiert oder eingerissen, geht ihre Schutzwirkung verloren.
  • Stöße frei in der Luft: Lattenstöße ohne Auflager über Sparren oder Konterlatte sind Schwachstellen, die sich mit der Zeit durchbiegen.
Bauteil Funktion
Konterlatte Verläuft in Falllinie über den Sparren, schafft die Luftschicht für die Hinterlüftung, fixiert die Unterspannbahn und ermöglicht den Wasserablauf zur Traufe.
Traglatte Verläuft quer über die Konterlatten, bildet die tragende Ebene und nimmt über ihren Abstand die Ziegel oder Dachsteine der Deckung auf.

Praxis-Empfehlung: Schritt-für-Schritt-Reihenfolge

Für ein sauberes Ergebnis hat sich diese Reihenfolge bewährt:

  1. Deckung festlegen: Bestimmen Sie zuerst Ziegel- oder Dachsteinmodell und holen Sie das Verlegedatenblatt mit den zulässigen Lattabständen ein.
  2. Unterspannbahn verlegen: Spannen Sie die Bahn von der Traufe aus mit ausreichender Überlappung über die Sparren.
  3. Konterlatten montieren: Befestigen Sie die Konterlatten in Falllinie über jedem Sparren und drücken Sie damit die Unterspannbahn an.
  4. Lattung einrechnen: Ermitteln Sie aus Dachlänge, Traufe und First die genaue Zahl der Reihen und den konkreten Lattabstand.
  5. Trauf- und Firstlatte setzen: Beginnen Sie mit den Bezugslatten an Traufe und First gemäß Datenblatt.
  6. Traglatten befestigen: Reißen Sie die Reihen mit der Schlagschnur an und nageln oder schrauben Sie die Traglatten an jeder Konterlatte.
  7. Kontrolle: Prüfen Sie Abstände, festen Sitz und saubere Stöße, bevor die Deckung aufgebracht wird.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Konterlatte und Traglatte?

Die Konterlatte verläuft in Falllinie über den Sparren und schafft die Luftschicht für die Hinterlüftung. Die Traglatte wird quer darüber montiert, bildet die tragende Ebene und nimmt die Ziegel auf. Beide Lagen zusammen ergeben die vollständige Dachlattung.

Welcher Lattenabstand ist der richtige?

Einen pauschalen Wert gibt es nicht. Der Abstand der Traglatten hängt vom gewählten Deckmaterial ab und liegt innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Spanne. Aus Dachlänge und dieser Spanne wird der tatsächliche Abstand berechnet, damit die Reihen gleichmäßig aufgehen.

Kann ich die Konterlattung weglassen?

Beim belüfteten Steildach nicht. Ohne Konterlattung fehlt die Luftschicht zwischen Unterspannbahn und Deckung. Feuchtigkeit kann dann nicht abtrocknen, was auf Dauer zu Schäden am Holz und am Dachaufbau führt.

Nageln oder schrauben: Was ist besser?

Beides ist möglich. Nägel, idealerweise mit einem Nagler gesetzt, sind schneller und im Handwerk üblich. Schrauben bieten höhere Auszugswerte und lassen sich präziser setzen, kosten aber mehr Zeit. Wichtig sind in beiden Fällen die richtige Länge und ausreichende Randabstände.

Welche Dachlatten brauche ich für die Traglattung?

Für tragende Lagen sollte sortiertes, trockenes Holz zum Einsatz kommen, Standard ist die Sortierklasse S10. Gängige Querschnitte sind 24 x 48 mm, 30 x 50 mm und 40 x 60 mm, wobei das passende Maß von der Deckung und der Dachgeometrie abhängt.

Beratung und Bestellung

Sie planen eine Dachlattung und sind sich bei Querschnitt, Menge oder Sortierklasse unsicher? Wir beraten Sie gern zur passenden Dachlatte für Ihr Projekt. Rufen Sie uns an unter +49 6302 600 41 63. Auf Wunsch übernehmen wir den Zuschnitt und das Ablängen, sodass Sie das Material einbaufertig erhalten.

Die Lieferung erfolgt direkt zu Ihrer Baustelle, alternativ holen Sie Ihre Ware bequem bei uns in Winnweiler ab. So haben Sie Ihre Dachlatten termingerecht dort, wo Sie sie brauchen.

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