Ein selbstgebauter Carport ist eines der lohnendsten Holzbau-Projekte für ambitionierte Heimwerker. Der Materialbedarf ist überschaubar, die Konstruktion mit etwas Erfahrung gut beherrschbar, und die Ersparnis gegenüber Fertig-Carports oder gar Tiefgaragenstellplätzen ist erheblich. Wer richtig plant und sauber arbeitet, baut sich an einem Wochenende plus zwei, drei Abenden einen Carport, der 30 Jahre und länger steht.
Dieser Artikel liefert die komplette Materialliste mit Maßen für einen Standard-Einzelcarport (5,00 m × 3,00 m, lichte Höhe 2,40 m), erklärt die Konstruktion Schritt für Schritt, vergleicht die sinnvollen Bedachungsvarianten und nennt die Punkte, an denen die meisten Selbstbauer Fehler machen. Mit den hier beschriebenen Materialien und Maßen können Sie direkt Ihre Bestellung zusammenstellen.
Zwei Vorab-Hinweise: Erstens braucht ein Carport in Deutschland je nach Bundesland eine Baugenehmigung oder fällt unter die Verfahrensfreiheit – das müssen Sie vor dem Materialeinkauf bei Ihrer Baubehörde klären. Zweitens ersetzt unsere Anleitung keine Statik. Bei Standardmaßen unter 6 m Spannweite und Schneelastzone 1–2 sind die hier genannten Querschnitte praxisbewährt; bei größeren Maßen oder höheren Schneelasten unbedingt einen Statiker hinzuziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Maße und Grundkonstruktion
- Komplette Materialliste
- Fundament und Pfostenanker
- Tragwerk aufstellen
- Dachkonstruktion
- Bedachung – drei Varianten
- Verkleidung und Holzschutz
- Wann was?
- Häufige Fragen (FAQ)
- Beratung und Bestellung
Maße und Grundkonstruktion
Unser Standard-Einzelcarport misst außen 5,00 m × 3,00 m und hat eine lichte Höhe von 2,40 m unter dem niedrigsten Tragbalken. Das reicht für alle PKW inklusive SUV bequem aus. Wer ein Wohnmobil oder einen Transporter unterstellen will, sollte auf 2,80 m lichte Höhe und mindestens 6,00 m Länge erweitern.
Konstruktionsprinzip: Vier Eckpfosten 100 × 100 mm aus KVH-Si, oben durch zwei Längspfetten und (bei größeren Carports) eine Mittelpfette verbunden. Über den Pfetten Sparren im Abstand von 70 cm, darüber die Dachschalung aus 22 mm OSB-3 als Untergrund für die Bedachung. Bei einem Flachdach Gefälle von mindestens 2° (3,5 cm/m) zur Entwässerungsseite hin einplanen.
Pfostenstellung: Die Pfosten stehen nicht direkt im Boden, sondern auf H-Pfostenankern aus feuerverzinktem Stahl, die in punktuellen Betonfundamenten einbetoniert werden. Direkter Erdkontakt würde die Pfosten innerhalb weniger Jahre vergammeln lassen – der Pfostenanker hält das Holz mindestens 80 mm über dem Boden und garantiert Belüftung.
Komplette Materialliste
Für einen Carport 5,00 m × 3,00 m mit Flachdach (Pultdach mit 3°), Bedachung mit Bitumenwellplatten:
| Bauteil | Stück | Maß | Material |
|---|---|---|---|
| Eckpfosten | 4 | 100 × 100 × 2.700 mm | KVH-Si C24, Fichte |
| Längspfetten | 2 | 100 × 200 × 5.000 mm | Duo C24 oder KVH-Si |
| Sparren | 7 | 60 × 160 × 3.300 mm | KVH-Si C24 |
| Sparren-Kopfband (optional) | 4 | 80 × 80 × 800 mm | KVH-Si C24 |
| Dachschalung | ca. 16,5 m² | 22 mm OSB-3 | OSB-3 verleimt nach EN 300 |
| Tropfblech / Traufblech | 1 | 5,2 m | Aluminium oder Zink |
| Bedachung | ca. 16,5 m² | nach Wahl | Bitumenwellplatten / Trapezblech / EPDM |
| Stirnbretter Traufe | 2 | 25 × 200 × 5.200 mm | Lärche oder Fichte |
| Pfostenanker H-Form | 4 | passend für 100 × 100 mm | feuerverzinkter Stahl |
| Beton-Fertigfuß / Beton | 4 Punkte | je 30 × 30 × 80 cm | C25/30 |
| Dachschrauben Tellerkopf | ca. 80 | 6 × 100 mm | Edelstahl A2 |
| Beplankungs-Schrauben für OSB | ca. 200 | 4,5 × 50 mm | verzinkt |
| Pfosten-an-Pfette-Verbinder | 4 | T- oder L-Form, schwere Ausführung | feuerverzinkt |
Erweiterung Doppelcarport (6,00 m × 5,00 m): Verdoppelung der Pfosten auf 6 Stück (zwei zusätzliche Mittelpfosten oder durchgehender Mittelbinder), Pfetten als BSH GL24h (mehr Spannweite), Sparrenanzahl auf 9 erhöhen.
Fundament und Pfostenanker
Schritt 1 – Maße abstecken: Mit Schnurgerüst und Diagonale-Kontrolle die exakte Position der vier Eckpfosten markieren. Diagonale 5,83 m bei 5,00 × 3,00 m – wenn beide Diagonalen gleich lang sind, ist das Rechteck rechtwinklig.
Schritt 2 – Punktfundamente ausheben: Pro Pfosten ein Loch mit etwa 30 × 30 cm Grundfläche und mindestens 80 cm Tiefe (frostfrei). In sehr nördlichen oder höher gelegenen Regionen 100 cm.
Schritt 3 – Pfostenanker einbetonieren: Der H-Anker wird so in den frischen Beton gestellt, dass die Aufnahme exakt waagrecht und auf der richtigen Höhe steht. Die Höhe wird so gewählt, dass die Pfostenunterkante mindestens 80 mm über dem späteren Bodenniveau liegt – das schützt vor Spritzwasser und Erdfeuchte. Beton C25/30 verwenden, mindestens 24 Stunden aushärten lassen.
Schritt 4 – Höhenkontrolle: Nach 24 Stunden mit Schlauchwaage oder Laser kontrollieren, ob alle vier Anker auf gleicher Höhe stehen. Toleranzen bis 5 mm sind verkraftbar, mehr nicht.
Praxis-Tipp: Statt Beton-vor-Ort kann man auch fertige Beton-Punktfundamente verwenden, in die die Pfostenanker beim Gießen schon einbetoniert sind. Spart einen halben Tag Arbeit, ist aber teurer.
Tragwerk aufstellen
Schritt 5 – Pfosten einsetzen und ausrichten: Die vier KVH-Pfosten in die Pfostenanker stellen und mit Edelstahl-Sechskantschrauben (M10 × 100 mm) verschrauben. Mit Wasserwaage exakt lotrecht ausrichten und mit Spannriemen oder schrägen Hilfslatten temporär sichern.
Schritt 6 – Pfetten auflegen: Die zwei Längspfetten (100 × 200 × 5.000 mm) werden auf die Eckpfosten aufgelegt und mit T-Verbindern oder Holzbau-Schraubverbindungen befestigt. Wichtig: Die Pfetten überstehen die Pfosten an beiden Enden um etwa 30–40 cm – das gibt Dachüberstand und schützt die Pfosten vor Schlagregen. Bei der Pultdach-Variante liegt die Vorderpfette etwa 20 cm höher als die Hinterpfette (für 3° Gefälle bei 3,00 m Tiefe).
Schritt 7 – Verbindungen verschrauben: An jedem Knotenpunkt (Pfosten-Pfette) mindestens 2 schwere Holzbauverbinder mit je 4–6 Spaxschrauben 6 × 100 mm. Die Verbindungen sind die schwächsten Stellen der Konstruktion – hier nicht sparen.
Schritt 8 – Optional Kopfbänder einsetzen: Diagonal von Pfosten zu Pfette laufende KVH-Vierkantstreben (80 × 80 × 800 mm, 45° Schnitt) versteifen den Carport gegen seitliche Windlasten. Bei freistehenden Carports ohne Wandanschluss Pflicht.
Detailwissen zur richtigen Auswahl der KVH- und Duo/Trio-Querschnitte für Carport-Spannweiten finden Sie im Cluster-Artikel zum Konstruktionsholz-Vergleich.
Dachkonstruktion
Schritt 9 – Sparren aufnageln: Sieben Sparren (60 × 160 × 3.300 mm) im Abstand von 70 cm auf die Pfetten auflegen und mit Sparren-Pfetten-Ankern oder schrägen Spaxschrauben (8 × 200 mm) verschrauben. Die Sparren überstehen die Pfetten am Vorderende um 50–60 cm (Vordach-Effekt, schützt die Stirnseite).
Schritt 10 – Dachschalung verlegen: Auf die Sparren wird 22 mm OSB-3 verlegt – fugendicht, mit Stoßfuge auf den Sparren. Die OSB-Platten werden mit Beplankungsschrauben 4,5 × 50 mm im Raster 15 cm an den Rändern und 30 cm in der Fläche verschraubt. Hinweis: Verwenden Sie OSB-3 (verleimt mit feuchteresistentem Klebstoff) – OSB-2 ist nur für trockene Innenräume zugelassen und würde unter dem Dach schon nach wenigen Jahren quellen.
OSB-3 in den passenden Stärken für Dachschalung beziehen Sie als OSB-3 Grobspanplatten Zuschnitt – mit präzisem Zuschnitt sparen Sie sich das Kreissägen vor Ort.
Schritt 11 – Tropfblech an der Traufe montieren: An der niedrigeren Längsseite (Wasserablaufseite) wird ein Aluminium- oder Zinktropfblech montiert, das das Wasser sauber von der Dachschalung in die Dachrinne ableitet.
Schritt 12 – Bedachung aufbringen: Je nach gewählter Variante (siehe nächster Abschnitt) wird auf die OSB-Schalung die Bedachung aufgebracht.
Bedachung – drei Varianten
Variante A – Bitumenwellplatten: Standard für DIY-Carports, sehr preisgünstig, einfach zu verlegen. Lebensdauer 15–20 Jahre. Verlegung mit Spezialnägeln durch die Plattenwellen in die OSB-Schalung. Optisch eher rustikal, dunkelrot/dunkelgrün/schwarz. Unsere Empfehlung für maximale Wirtschaftlichkeit.
Variante B – Trapezblech beschichtet: Etwas teurer, aber langlebig (30+ Jahre), regenarm im Schall, sehr gute Optik in Anthrazit oder Schwarz. Verlegung mit Tellerkopfschrauben und EPDM-Dichtungen direkt in die OSB-Schalung. Achtung: Bei direktem Einbau ohne Trennlage kann sich Kondenswasser zwischen Blech und OSB sammeln – besser ist eine zusätzliche Dampfbremse.
Variante C – EPDM-Folie: Premium-Lösung für Flachdächer, vollflächig auf die OSB verklebt, in Bahnenbreite passend zugeschnitten. 50+ Jahre Lebensdauer, zuverlässig dicht, sehr guter Wärme- und Schallschutz. Höchste Materialkosten, aber auch geringste Folgekosten. Verlegung sollte ein Dachdecker oder erfahrener Heimwerker mit speziellem Andrückwerkzeug machen.
| Bedachung | Materialkosten (relativ) | Lebensdauer | Optik |
|---|---|---|---|
| Bitumenwellplatten | Basis | 15–20 Jahre | Rustikal |
| Trapezblech beschichtet | Basis × 1,8 | 30+ Jahre | Modern, dunkel |
| EPDM-Folie | Basis × 2,5 | 50+ Jahre | Unauffällig |
Verkleidung und Holzschutz
Der Carport selbst kann offen bleiben (klassische Variante) oder an einer oder mehreren Seiten geschlossen werden – entweder als Sichtschutz, als Wetterschutz oder beides.
Holzart für die Verkleidung: Lärche und Douglasie sind die ersten Wahlen für unbehandelte Außenverkleidung – beide vergrauen langsam zu einer schönen silbergrauen Patina und brauchen über Jahrzehnte keine Pflege. Fichte/Tanne braucht zwingend einen Anstrich (Lasur oder deckende Wetterschutzfarbe), sonst beginnt die Verwitterung und Rissbildung schon nach wenigen Jahren.
Profile: Stülpschalung (klassisch) oder Boden-Deckel-Schalung. Brettstärke 21–25 mm, Breite 120–180 mm. Verlegung horizontal oder vertikal, beides funktioniert.
Holzschutz für die Konstruktion: KVH-Pfosten und -Pfetten sollten gegen Witterung geschützt werden. Bei sichtbaren Konstruktionen empfiehlt sich eine Dünnschichtlasur in Pinie, Lärche oder Eiche – pflegeleicht und betont die Holzmaserung. Bei nicht sichtbaren Bauteilen reicht ein einmaliger Bläueschutz-Anstrich vor dem Einbau.
Für die laufende Pflege der Lärchen-Verkleidung lesen Sie unseren Cluster-Artikel zur Holzpflege im Außenbereich und unseren Pillar-Artikel zu den Plattenwerkstoffen für die richtige Wahl der OSB-Schalung.
Wann was?
- Einzelcarport bis 5 × 3 m, einfache Optik: Konstruktion KVH-Si, Bedachung Bitumenwellplatten – günstigste Variante mit guter Lebensdauer.
- Einzelcarport mit Anspruch: Konstruktion KVH-Si, Sichtbinder Duo/Trio, Bedachung Trapezblech anthrazit, Verkleidung Lärche – wirkt hochwertig, hält Jahrzehnte.
- Doppelcarport oder >6 m Spannweite: Pfetten als BSH GL24h dimensionieren, Statik durch Fachplaner berechnen lassen.
- Carport-Erweiterung mit Dachgeschoss / Stauraum oben: Statik unbedingt vom Profi, Tragwerk in BSH, Beplankung mit 22er OSB-3.
- Carport in Schneelastzone 3 oder 4: Sparrenabstand auf 60 cm reduzieren, Querschnitte eine Klasse größer wählen, Statik prüfen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Carport-Selbstbau
Brauche ich für einen Carport eine Baugenehmigung?
Das hängt vom Bundesland ab. In den meisten Bundesländern sind Carports bis zu einer bestimmten Größe (oft 30 m² Grundfläche, 3 m Höhe, 9 m Länge) verfahrensfrei – brauchen also keine Baugenehmigung. Trotzdem müssen Abstände zur Grundstücksgrenze (oft 3 m) und zum Nachbarn eingehalten werden. Vor dem Materialeinkauf unbedingt bei der zuständigen Baubehörde nachfragen.
Welches Holz für die Pfosten?
KVH C24 in Sichtqualität (KVH-Si) ist Standard. Kesseldruckimprägniertes Konstruktionsholz wäre dauerhafter, aber dunkelgrün gefärbt und optisch nicht jedermanns Geschmack. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Pfosten nicht in Erdkontakt stehen, sondern auf H-Pfostenankern mit mindestens 80 mm Bodenabstand.
Reicht 22 mm OSB für die Dachschalung?
Bei einem Sparrenabstand von 70 cm und Schneelastzone 1–2: ja, 22 mm OSB-3 sind ausreichend. Bei größerem Sparrenabstand oder höheren Schneelasten besser 25 mm OSB-3 oder Reduzierung des Sparrenabstands auf 60 cm. OSB-3 ist Pflicht, OSB-2 würde unter dem Dach quellen und langfristig versagen.
Wie lange dauert der Bau eines Einzelcarports?
Ein erfahrener Heimwerker mit zwei Helfern schafft den Aufbau in zwei vollen Tagen, wenn die Fundamente bereits ausgehärtet sind. Inklusive Fundamenten und Trockenzeit des Betons sind realistisch fünf bis sieben Tage einzuplanen, verteilt auf zwei Wochenenden. Die Bedachung kann je nach Wahl noch einen halben bis ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Was kostet das Material für einen Standard-Einzelcarport?
Die Materialkosten für einen Carport 5,00 × 3,00 m mit Bitumenwellplatten-Bedachung liegen typischerweise im niedrigen vierstelligen Euro-Bereich. Mit Trapezblech und Lärchenverkleidung steigt das auf den mittleren vierstelligen Bereich. Ein vergleichbarer Fertig-Carport vom Hersteller kostet das 1,5- bis 2-fache, ein vom Zimmermann gebauter Carport noch deutlich mehr.
Beratung und Bestellung
Wer einen Carport plant und seine Materialliste sauber zusammenstellen will, kann uns jederzeit anrufen – wir helfen bei Querschnittwahl, Pfostenanker-Auswahl, Bedachungsoptionen und der konkreten Stückliste. Wir beraten Montag bis Freitag von 08:00 bis 16:00 Uhr unter +49 6302 600 41 63.
Direkt zum Sortiment:
- KVH Konstruktionsvollholz gehobelt – Pfosten, Pfetten und Sparren in den genannten Querschnitten
- Holzbau & Rohbau Übersicht – Pfostenanker, Verbinder, weiteres Bauholz
- OSB-3 Grobspanplatten Zuschnitt – Dachschalung 22 mm präzise zugeschnitten
- Konstruktionsholz Garten und Terrasse – speziell für Außeneinsatz
Cross-Reference: Für die Vertiefung in die Frage, ob KVH, Duo/Trio oder BSH die richtige Wahl für Ihre Spannweiten ist, lesen Sie unseren Cluster-Artikel zu Konstruktionsholz. Für das Verständnis der OSB-Verleimungsklasse den Cluster-Artikel zu OSB vs. Spanplatte und den Pillar-Artikel zu den Plattenwerkstoffen.
Ein eigenhändig gebauter Carport ist ein sichtbares, dauerhaftes Stück Eigenarbeit. Mit der hier beschriebenen Materialliste, etwas Sorgfalt bei den Knotenpunkten und einer ordentlichen Bedachung haben Sie ein Bauwerk, das Ihnen drei Jahrzehnte Freude macht.
