„Welche Stärke brauche ich?“ gehört zu den häufigsten Fragen in unserer Beratung. Sie ist gleichzeitig die unterschätzteste Entscheidung im Plattenkauf – wer 12 mm Multiplex bestellt, wo 18 mm hingehören, baut sich Folgekosten ein. Wer umgekehrt mit 25 mm einen Schubladenboden plant, zahlt unnötig viel und schleppt überflüssiges Gewicht durchs Möbel.
Plattenstärke ist immer eine Funktion aus drei Variablen: Belastung, Stützweite und Verformungstoleranz. Eine Werkbank trägt punktuelle Maschinenlasten und darf sich nicht durchbiegen – hier ist 30 oder 40 mm Multiplex angemessen. Eine Schubladenrückwand trägt nichts, sondern hält nur Form – 4 bis 6 mm HDF reichen. Dazwischen liegt der ganze Spielraum, in dem man im Praxisalltag entscheiden muss.
Dieser Guide gibt Ihnen die destillierte Empfehlung für die häufigsten Anwendungsfälle: vom Schubladenboden über Schränke und Schreibtischplatten bis zu Anhänger, Dach und Werkbank. Wir nennen konkrete Stärken, ordnen die Tragfähigkeit relativ ein und geben einen Schraubenauszugswert-Vergleich, mit dem Sie auch ungewöhnliche Situationen einschätzen können.
Wer noch unsicher bei der Materialwahl ist (also nicht nur bei der Stärke), findet die übergeordnete Übersicht im großen Plattenwerkstoffe-Vergleich. Dort werden Multiplex, Sperrholz, OSB, MDF, HDF, HPL, Siebdruck und Spanplatte direkt gegenübergestellt. Hier konzentrieren wir uns ausschließlich auf die richtige Stärke.
Die Empfehlungen entstammen der täglichen Praxis als Online-Holzhändler mit eigenem millimetergenauen Plattenzuschnitt. Wir liefern bundesweit – und die Stärken-Diskussion ist in fast jedem Telefonat dabei.
Inhaltsverzeichnis
- Was bestimmt die richtige Plattenstärke?
- Die Standard-Stärken im Handel
- Empfehlungstabelle: Stärken für 20 typische Anwendungen
- Möbelbau: Schränke, Tablare, Schubladen
- Werkstatt: Werkbank, Hobel, Maschinentisch
- Anhänger und Fahrzeugausbau
- Dach, Boden, konstruktiver Holzbau
- Schraubenauszug: Was Stärke und Verleimung bewirken
- Wann lohnt sich eine stärkere Platte – wann nicht?
- Häufige Fragen (FAQ)
- Plattenzuschnitt und Beratung

Was bestimmt die richtige Plattenstärke?
Bei der Wahl der Plattenstärke spielen vier Faktoren zusammen:
1. Belastung pro Fläche. Wie viel Last kommt insgesamt auf die Platte – verteilt oder punktuell? Eine Schreibtischplatte trägt vielleicht 30 kg verteilt (Monitor, Bücher, Arbeitsmaterial). Eine Werkbank kann 200 kg punktuell tragen, wenn jemand eine Maschine darauf montiert.
2. Stützweite. Wie weit liegen die Auflagepunkte oder Unterstellungen auseinander? Eine 18-mm-Multiplexplatte trägt zwischen zwei Zargen im Abstand 60 cm fast alles. Bei 1.500 mm Stützweite dagegen biegt sich dieselbe Platte unter mittlerer Last sichtbar durch.
3. Verformungstoleranz. Wie viel Durchbiegung ist akzeptabel? Bei einer Schreibtischplatte sind 3 mm Senke unter Last optisch hässlich. Bei einer Werkstatt-Platte stört es vielleicht funktional. Bei einer Verschalung im Dach interessiert es niemanden.
4. Materialwahl. Multiplex Birke trägt deutlich mehr als OSB-3, OSB trägt mehr als Spanplatte, MDF trägt fast nichts. Innerhalb derselben Stärke sind die Unterschiede gewaltig. Eine 18-mm-Multiplexplatte hat etwa die fünf- bis siebenfache Biegefestigkeit einer 18-mm-Spanplatte.
In der Praxis vereinfachen wir diese Überlegung mit einer Faustregel: Stützweite (in mm) geteilt durch 30 ergibt die ungefähre Mindeststärke einer Multiplexplatte für mittlere Möbel-Last. Bei einer Stützweite von 600 mm entspricht das also rund 20 mm Multiplex – im Handel runden Sie auf 18 oder 21 mm. Bei OSB rechnen Sie mit Faktor 25, bei Spanplatte mit Faktor 18. Das ist keine statische Berechnung, aber für den Heimwerker und Möbelbauer eine brauchbare Orientierung.
Die Standard-Stärken im Handel
Plattenwerkstoffe werden nicht in beliebigen Stärken hergestellt. Folgende Standardstärken finden Sie zuverlässig im Handel:
Multiplex Birke BFU 100: 4 mm, 6,5 mm, 9 mm, 12 mm, 15 mm, 18 mm, 21 mm, 24 mm, 27 mm, 30 mm, 35 mm, 40 mm.
Siebdruckplatte BFU 100: 6,5 mm, 9 mm, 12 mm, 15 mm, 18 mm, 21 mm, 24 mm, 27 mm, 30 mm, 35 mm, 40 mm.
OSB-3: 8 mm, 10 mm, 12 mm, 15 mm, 18 mm, 22 mm, 25 mm.
Spanplatte (P2 Möbelbau): 8 mm, 10 mm, 12 mm, 16 mm, 18 mm, 19 mm, 22 mm, 25 mm, 28 mm, 38 mm.
MDF: 3 mm, 4 mm, 6 mm, 8 mm, 10 mm, 12 mm, 16 mm, 18 mm, 19 mm, 22 mm, 25 mm, 30 mm, 38 mm.
HDF: 2,5 mm, 3 mm, 4 mm, 5 mm, 6 mm, 8 mm.
HPL-Kompaktplatte: 4 mm, 6 mm, 8 mm, 10 mm, 12 mm, 13 mm.
Wer eine Stärke wählt, die nicht im Standardraster liegt, zahlt im Regelfall den Aufpreis für Sondermaße. Wenn es nicht zwingend nötig ist, runden Sie auf die nächste Standardstärke – Sie sparen Geld und Lieferzeit.
Empfehlungstabelle: Stärken für 20 typische Anwendungen
Die folgende Tabelle ist die destillierte Empfehlung aus der Tagespraxis. Sie ist für die typische, gut konstruierte Anwendung gedacht – wer extreme Stützweiten oder ungewöhnlich hohe Lasten plant, sollte zur nächsthöheren Stärke greifen oder Rücksprache mit unserem Service halten.
| Anwendung | Empfohlenes Material | Empfohlene Stärke | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Schubladenboden (klein, bis 40 cm) | HDF oder Pappelsperrholz | 4–6 mm | Genut in Schubladenseiten einlegen |
| Schubladenboden (groß, bis 80 cm) | HDF oder Multiplex | 6–9 mm | Bei tiefen Schubladen 9 mm Multiplex |
| Möbelrückwand | HDF oder Sperrholz | 3–5 mm | Im Falz oder Nut führen |
| Schrank-Korpus (Wohnraum, Standard) | Dekorspanplatte | 18–19 mm | Möbel-Standard, mit Holzdübel verbinden |
| Schrank-Tablar (Bücher, bis 80 cm) | Spanplatte oder Multiplex | 18–22 mm | Bei langen Tablaren auf Multiplex wechseln |
| Tischplatte (Schreibtisch, Standard) | Multiplex oder MDF | 19–25 mm | Mit Mittelfuß oder Zargenkonstruktion |
| Tischplatte (Esstisch, freie Spannweite) | Multiplex Birke | 27–30 mm | Mindestens 25 mm bei größerer Tiefe |
| Werkbankplatte (Hobby) | Multiplex Birke roh | 27–30 mm | Mit Hartöl behandeln, kratzfest |
| Werkbankplatte (Profi-Werkstatt) | Multiplex Birke roh | 35–40 mm | Trägt Maschinen, kann mehrfach abgehobelt werden |
| Lautsprecher-Gehäuse | MDF oder Multiplex | 19–22 mm | MDF dämpft besser, Multiplex steifer |
| Anhängerboden (PKW-Anhänger leicht) | Siebdruckplatte | 12–15 mm | Bei Stützweite < 60 cm |
| Anhängerboden (PKW-Anhänger Standard) | Siebdruckplatte | 18 mm | Universal-Wahl |
| Anhängerboden (Pferdeanhänger, Last) | Siebdruckplatte | 21 mm | Höhere Punktlast durch Hufschlag |
| Anhängerboden (LKW, schwere Last) | Siebdruckplatte | 27–30 mm | Für hohe Achslasten und Maschinen |
| Pferdeanhänger-Wand | Siebdruckplatte | 12–15 mm | Stoß- und durchbruchfest |
| Dachausbau (Beplankung Sparren) | OSB-3 N+F | 18–22 mm | Bei größeren Sparrenabständen 22 mm |
| Holzrahmenbau (Wand-Aussteifung) | OSB-3 | 12–15 mm | Statisch zugelassen |
| Boden im Dachausbau | OSB-3 N+F oder Spanplatte P5 | 22 mm | Bei N+F kein zusätzliches Tragwerk nötig |
| Schalung Sichtbeton | Siebdruckplatte oder Multiplex | 18–21 mm | Glatte Sichtbetonfläche |
| Treppenstufe (innen, sichtbar) | Multiplex Birke | 30–40 mm | Geölt oder lackiert, optisch hochwertig |
Ergänzend: Wer für Möbel im Bad baut, sollte zu 12 mm HPL-Kompaktplatte (für Trennwände) oder 18 mm MDF.MR (für Korpusse) greifen. Klassische Spanplatte hat im Feuchtbereich nichts verloren.
Möbelbau: Schränke, Tablare, Schubladen
Im Möbelbau entscheidet die Stärke nicht nur über die Tragfähigkeit, sondern auch über die Optik der Proportionen und die Schraubbarkeit von Beschlägen.
Korpus-Seitenwände: 18 oder 19 mm sind der unangefochtene Standard. Topfbänder, Verbinder und Holzdübel sind auf diese Stärke ausgelegt. Wer dünner geht (z. B. 16 mm Spanplatte für Kommoden), spart wenig Geld, riskiert aber Probleme mit Standard-Beschlägen, deren Bohrtiefe meist 11,5–12,5 mm beträgt – bei 16 mm Plattenstärke bleiben dann nur noch 3,5 mm Restmaterial hinter dem Beschlag.
Tablare und Böden: Bei normalen Wohnraummöbeln (Bücher, Geschirr, Ordner) reicht 18–19 mm bis etwa 80 cm freier Spannweite. Bei längeren Böden – Mediawand, Garderobenleiste, Bücherregal – sollten Sie zu Multiplex 18–22 mm wechseln oder eine Mittelstütze einplanen. Eine 18-mm-Spanplatte über 1.000 mm Stützweite mit voller Bücherlast biegt sich messbar – nach einem Jahr ist der Durchhang sichtbar und meist irreversibel.
Schubladenböden: Hier reichen 4–6 mm HDF in den allermeisten Fällen. Die Schubladenseiten haben eine Nut, in die der Boden einläuft – mehr Stärke macht die Konstruktion nur unnötig schwer. Bei tiefen Auszügen (über 50 cm Tiefe, schwere Lasten wie Werkzeug) lohnen sich 9 mm Multiplex.
Möbel-Rückwände: 3 mm HDF oder 5 mm Sperrholz, in den Falz der Korpus-Hinterkante eingelegt. Wer Rückwand-Verschraubung plant (für sichtbare Rückwand-Möbel), nimmt 8–10 mm Multiplex – die Schraube hat dann genug Material, um zu greifen.
Möbelfronten (Türen, Schubladenfronten): 16–19 mm. Bei lackierten MDF-Fronten meist 19 mm, bei Beschichteten 16 oder 18 mm. Bei sehr großen Fronten (Hochschrank-Tür) mit Kantel verstärken oder 22 mm wählen, sonst zieht die Tür sich beim Klimawechsel.
Werkstatt: Werkbank, Hobel, Maschinentisch
Die Werkbankplatte ist das Bauteil, an dem das meiste Geld gespart wird – mit Folgen. Wer 18 mm Multiplex auf einen Werkstatt-Unterbau legt, hat zwei Jahre später eine Mulde, in der die Maschinenposition nicht mehr stabil steht.
Hobby-Werkbank: Mindestens 27 mm Multiplex Birke roh, besser 30 mm. Bei Stützweiten unter 50 cm zwischen den Zargen reicht 27 mm. Bei freier Plattenmitte über 80 cm sollten Sie auf 30 oder 35 mm gehen.
Profi-Werkbank, Tischlerei: 40 mm Multiplex Birke. Diese Stärke verträgt das Aufmontieren von Schraubstöcken, Bandschleifern, kleinen Stationären Maschinen – und kann bei Bedarf nach Jahren noch einmal abgehobelt und neu geölt werden. Investition fürs Leben.
Maschinentisch (Tischkreissäge, Bandsäge): 30–40 mm Multiplex. Wichtig ist hier nicht nur die Tragfähigkeit, sondern die Vibrationsdämpfung. Multiplex schluckt Vibrationen besser als OSB oder Spanplatte – die Schnittpräzision dankt.
Werkstattregal: OSB-3 oder Spanplatte 18–22 mm reicht. Bei sehr schweren Lasten (Akku-Werkzeugkoffer in mehreren Ebenen) auf 22 mm OSB-3 mit Mittelstütze setzen.
Eine ausführliche Werkbank-Bauanleitung folgt im weiteren Programm. Für die Materialwahl hilft auch der direkte Vergleich Multiplex vs. Sperrholz – dort sind die Festigkeitsunterschiede mit Zahlen hinterlegt.
Anhänger und Fahrzeugausbau
Anhängerböden sind die anspruchsvollste Anwendung im Plattenmarkt – Punktlasten durch Räder oder Hufe, Vibrationen, Feuchtigkeit, Streusalz, ständige Be- und Entladung.
PKW-Anhänger leicht (bis 750 kg, kleine Ladefläche): 12–15 mm Siebdruckplatte BFU 100. Bei Stützweiten unter 60 cm zwischen den Querverstrebungen reicht das.
PKW-Anhänger Standard (bis 1.300 kg): 18 mm Siebdruckplatte. Universal-Wahl für die meisten Standardanhänger.
Pferdeanhänger: 21 mm Siebdruckplatte am Boden. Hufschlag erzeugt Punktlasten von mehreren Hundert Kilo, die nur mit ausreichender Stärke und Verleimungsklasse abgefangen werden. Wandverkleidungen 12 oder 15 mm reichen.
LKW, Pritschenausbau, schwere Maschinentransporter: 27 oder 30 mm Siebdruckplatte. Bei sehr breiter Spurweite oder starker Achslast eher 30 mm.
Camper- und Wohnmobil-Innenausbau: Hier kommt nicht Siebdruck, sondern Multiplex Birke 9, 12 oder 15 mm zum Einsatz. Möbel werden aus 12–15 mm gebaut, dünne Verkleidungen aus 9 mm. Gewichtsersparnis ist hier kritisch – jedes überflüssige Kilo kostet Reichweite und Zuladung.
Wichtig bei allen Anhänger- und Außenanwendungen: Schnittkanten von Siebdruckplatten müssen versiegelt werden. Auch die schönste Platte delaminiert von innen, wenn Wasser an den unversiegelten Stirnseiten eindringt. Ein zweifacher Anstrich mit Versiegelungsfarbe an allen Schnittkanten verlängert die Lebensdauer um Jahre. Die Siebdruckplatten in den passenden Stärken bekommen Sie als Siebdruckplatten mit Zuschnitt direkt nach Wunschmaß.
Dach, Boden, konstruktiver Holzbau
Im Bauwesen gelten andere Regeln als im Möbelbau – hier wird oft nach Norm gerechnet, statisch nachgewiesen und mit größeren Stützweiten gearbeitet.
Dachbeplankung Sparren: OSB-3 18 mm reicht bei Sparrenabständen bis 80 cm. Bei 80–100 cm Sparrenabstand sollten Sie auf 22 mm OSB-3 gehen, idealerweise mit Nut und Feder für die schnelle Verlegung. Über 100 cm Sparrenabstand wird OSB statisch grenzwertig – hier eher 25 mm OSB-4 oder eine Sparschalung dazwischen.
Boden im Dachausbau: OSB-3 Verlegeplatte 22 mm mit Nut und Feder. Bei Stützweiten zwischen den Lagerhölzern bis 60 cm trägt das problemlos. Über 60 cm Stützweite zusätzlich Querstege einbauen oder auf 25 mm wechseln.
Holzrahmenbau Wand-Aussteifung: OSB-3 12 oder 15 mm. Die Aussteifungswirkung hängt mehr von der Verschraubung (Abstand der Schrauben) als von der Plattenstärke ab. 12 mm reicht für die meisten Aussteifungs-Anwendungen.
Trockenbau-Beplankung: Hier nimmt man üblicherweise keine Holzwerkstoffe, sondern Gipskartonplatten 12,5 mm. Bei höheren Anforderungen (Schallschutz, Belastbarkeit zum Aufhängen) kann eine 8-mm-OSB-Beplankung unter dem Gipskarton sinnvoll sein.
Die OSB-Stärken für Bau- und Holzrahmenbau-Anwendungen finden Sie als OSB-3 Grobspanplatten mit Zuschnitt in den gängigen Bauformaten – Zuschnitt auf Ihre konkreten Bauteilmaße spart deutlich Verschnitt im Vergleich zur Vollplattenanlieferung.
Schraubenauszug: Was Stärke und Verleimung bewirken
Die Schraubenhaltekraft ist nicht linear mit der Plattenstärke. Eine 25-mm-Platte hält in der Schmalseite nicht doppelt so viel wie eine 12-mm-Platte – aber sie hält messbar mehr und ist deutlich risikoärmer in der Konstruktion.
Hier eine relative Übersicht (Schraubenauszug 5×60-mm-Spanplattenschraube, in Schmalseite eingeschraubt, normiert auf Multiplex 18 mm = 100):
| Material | 12 mm | 18 mm | 25 mm | 30 mm |
|---|---|---|---|---|
| Multiplex Birke BFU 100 | 65 | 100 | 130 | 145 |
| Siebdruckplatte BFU 100 | 60 | 95 | 125 | 140 |
| OSB-3 | 35 | 55 | 75 | – |
| Spanplatte P2 | 25 | 40 | 55 | 65 |
| MDF | 30 | 50 | 65 | 75 |
Die Tabelle zeigt: Multiplex hält in derselben Stärke etwa doppelt so viel wie OSB und etwa 2,5-mal so viel wie Spanplatte. Wer Konstruktionen mit verschraubten Verbindungen plant – speziell mit Schmalseiten-Verschraubung –, sollte Multiplex bevorzugen oder die Stärke entsprechend anpassen.
Praxis-Konsequenz: Eine Möbelkonstruktion in 18 mm Spanplatte mit direkt in die Schmalseite geschraubten Topfbändern hält im Wohnraum eine Weile – aber bei einer schwer beladenen Hochschrank-Tür wird die Verbindung mit der Zeit ausreißen. Hier sind entweder Verbinder (Korpus-Verbinder, Holzdübel) oder ein Wechsel auf Multiplex die robustere Lösung.
Wann lohnt sich eine stärkere Platte – wann nicht?
Stärker lohnt sich, wenn:
- die Stützweite über 80 cm liegt (Tablare, Tischplatten),
- punktuelle Lasten erwartet werden (Werkbank mit Maschinen, Anhänger mit Pferden, Bücher in Hochschränken),
- Schmalseiten-Verschraubung Konstruktionsmerkmal ist,
- die Konstruktion Vibrationen oder Stoß ausgesetzt ist (Anhänger, Fahrzeuge, Maschinentische),
- die Platte über Jahre stabil bleiben soll (Werkbank, Esstisch, Treppenstufe).
Stärker lohnt sich nicht, wenn:
- die Platte verdeckt sitzt und nichts trägt (Möbelrückwände, untergeordnete Verschalungen),
- Standardbeschläge auf eine bestimmte Stärke ausgelegt sind (16/18/19 mm im Möbelbau),
- jedes Kilo Mehrgewicht zählt (Camper, Caravan, Wandverkleidungen über Kopf),
- der Mehrpreis im Verhältnis zur Anwendung absurd wird (4 mm HDF statt 6 mm reicht für Schubladenboden).
Die häufigste Verschwendung sehen wir bei Möbel-Korpussen über 19 mm. 22 oder 25 mm Spanplatte wird gerne aus dem „lieber dicker“ Reflex gewählt, ohne dass die Konstruktion einen Vorteil davon hätte. Möbel-Beschläge sind auf 18/19 mm optimiert, mehr Stärke bringt nur Mehrgewicht und Mehrkosten.
Die häufigste Unterdimensionierung sehen wir bei Werkbankplatten unter 27 mm. 18 oder 22 mm Multiplex auf einen Werkbank-Unterbau funktioniert die ersten Wochen – dann beginnt das Schüsseln. Hier kompromisslos 27 mm aufwärts wählen.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich Plattenstärke nachträglich noch aufdoppeln?
Ja, das funktioniert mit Konstruktionsleim und Pressdruck (Schraubzwingen) gut. Zwei 12-mm-Multiplexplatten verleimt ergeben rechnerisch eine Stärke von 24 mm und tragen ähnlich viel wie eine massive 25-mm-Platte. Sinnvoll ist das aber nur, wenn Sie die Stärke nachträglich brauchen – als Erstbestellung ist es immer günstiger und materialeffizienter, gleich die richtige Stärke zu bestellen.
Sind dickere Platten immer steifer?
Im Plattenwerkstoff-Vergleich ja – innerhalb derselben Materialgruppe steigt die Biegesteifigkeit überproportional mit der Stärke (Faktor Stärke hoch drei in der Biegung). Allerdings ersetzt eine doppelt so dicke Spanplatte nicht eine Multiplexplatte – Material schlägt Stärke. 18 mm Multiplex Birke trägt mehr als 25 mm Spanplatte, trotz geringerer Dicke.
Wie berechne ich die richtige Stärke für eine Tischplatte?
Faustregel für Multiplex: Stützweite (in mm) geteilt durch 30 ergibt die Mindeststärke in mm. Bei 800 mm Stützweite zwischen Zargen sind das rund 27 mm. Bei einem Esstisch mit freier Mitte über 1.200 mm sind 30–40 mm angemessen. Bei MDF rechnen Sie mit Faktor 25, bei Spanplatte mit Faktor 18. Diese Regeln gelten für mittlere Möbel-Last, nicht für punktuelle Maschinenlasten.
Welche Stärke für eine Werkbank-Vorderzange?
Wenn die Vorderzange (Schraubstock) in die Werkbankplatte eingelassen wird, sollte die Werkbankplatte mindestens 35 mm Multiplex Birke sein. Die Vorderzange überträgt hohe Drehmomente und Spannkräfte – darunter wird die Konstruktion grenzwertig. 40 mm ist die Standard-Empfehlung für Profi-Hobelbänke.
Gibt es Plattenstärken, die im Standardraster fehlen?
Ja, klassisch fehlen 7 und 11 mm. Wer eine Möbelkonstruktion plant, in der eine Nut für 7 mm Boden vorgesehen ist, muss entweder auf 6,5 mm Multiplex umplanen oder eine 8-mm-Lagerplatte (HDF/MDF) wählen. Bei der Konstruktion lohnt sich der Blick aufs Plattenstärken-Raster, bevor das Möbel gezeichnet wird.
Plattenzuschnitt und Beratung
Alle in diesem Guide genannten Plattenstärken liefern wir aus unserer Werkstatt millimetergenau auf Ihr Wunschmaß zugeschnitten. Sie konfigurieren Stärke und Maße im Online-Shop, wir liefern fertige Zuschnitte deutschlandweit – in der Regel 2–5 Werktage.
Direkte Einstiegspunkte für die häufigsten Stärken:
- Multiplex Birke BFU 100 mit Zuschnitt – ab 6,5 mm bis 40 mm
- Siebdruckplatten mit Zuschnitt – die richtigen Stärken für Anhänger und Schalung
- OSB-3 Grobspanplatten mit Zuschnitt – Bau- und Verlegestärken
Wenn Sie bei der Stärkenwahl unsicher sind, beraten wir Sie telefonisch. Erreichbar unter +49 6302 600 41 63 Montag bis Freitag von 08:00 bis 16:00 Uhr. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Konstruktionsfrage und empfehlen ehrlich – auch wenn die schwächere (und günstigere) Stärke ausreicht.
Wer parallel überlegt, welches Material überhaupt das richtige ist, sollte den Blick in den großen Plattenwerkstoffe-Vergleich werfen – dort werden alle acht gängigen Plattentypen mit Stärken-Range, Verleimung und typischen Anwendungen direkt gegenübergestellt.
